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Das Jahr 2026

Haben Sie sich zu Silvester auch einen guten „Rutsch“ gewünscht? Dies hat nichts mit einem geglückten Hineinschlittern in die Nacht zum 1. Januar zu tun. Die Wurzeln des Wunsches finden sich in der hebräischen Sprache: hebr. „resch“, dt. „Kopf/Anfang“. Jeder Anfang ist ein Geschenk.

Wenn es nach dem österreich-amerikanischen Physiker Heinz von Förster ginge, würden wir heuer durch Überbevölkerung dem Weltuntergang nahe sein. Grundlage war eine mathematische Rechnung zum Bevölkerungswachstum im Jahr 1960, das theoretisch „ins Unendliche“ steigen würde.  Vermehre sich die Menschheit in gleichbleibendem Ausmaß, so der Wissenschaftler, werde die Zahl der Erdbewohner 2026 einen unendlichen Wert annehmen. Von Förster wollte damit vor den Folgen ungebremsten Wachstums warnen – nicht den tatsächlichen Untergang der Menschheit ankündigen. Tatsache ist, die Dauerkrisen der letzten Jahre haben Spuren hinterlassen: bei Familien, bei Jugendlichen, bei älteren Menschen. Wir haben aber auch gelernt, vorsichtig optimistisch zu sein. Viele Umbrüche, viele Krisen liegen hinter uns. Das neue Jahr bringt so manche Überraschung: Olympische Winterspiele erstmals auch bei uns; eine Fußball-Weltmeisterschaft gleich in drei Staaten: Kanada, USA und Mexiko; wenn alles klappt – erstmals wieder ein „bemannter“ NASA-Flug zum Mond – und die USA feiern ihr 250-jähriges Bestehen.

Die Welt im Trump-Takt

Auch 2026 wird Donald Trump wohl wieder den globalen Takt bestimmen. Die „Midterm-Wahlen“ im November könnten ihn aber zur „Lame Duck“, zur lahmen Ente machen.  Diese US-Zwischenwahlen finden halbzeitlich während einer Präsidentschaft statt, also zwei Jahre nach einer regulären Präsidentschaftswahl, und gelten als wichtiger Stimmungstest für die jeweilige Regierung. 

Bei diesen Wahlen werden vor allem die Sitze im Kongress neu vergeben: Alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel der 100 Senatssitze stehen zur Wahl. Spätestens im November 2026 wird sich also zeigen, wie zufrieden die Amerikaner mit ihrem Präsidenten sind.

USA feiern 250 Jahre

Aber zuvor haben die US-Amerikaner zu feiern. In den ersten Julitagen begeht das Land ein historisches Jubiläum: den 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten.  Präsident Donald Trump hat eine großangelegte Festreihe unter dem Titel „America 250“ angekündigt. Zahlreiche Paraden, Feuerwerke und Gedenkmünzen wird es geben. Recht verrückt (aber das sind wir mittlerweile gewohnt) klingt die Ankündigung des US-Präsidenten, am 4. Juli vor dem Weißen Haus in einem achteckigen Käfig ein „Ultimate Fighting Championship“ (eine recht brutale Kampfsportart) austragen zu wollen.  Auch wenn viele Menschen derzeit mit der Politik der US-Regierung hadern, bleibt das 250-jährige Jubiläum der USA ein Anlass, die spannende Geschichte des Landes neu zu entdecken.  In den USA selbst scheint allerdings statt Einigkeit die Spaltung dominieren. Zwei Lager erzählen zwei völlig verschiedene Geschichten über Vergangenheit und Zukunft der Vereinigten Staaten. Es wird wohl ein Jubiläum mit Sprengkraft. Auch vor dem Hintergrund, dass sich der Terroranschlag vom 11. September 2001 zum 25. Mal jährt.

XXIII. Fußball-WM

Auch auf sportlicher Ebene stehen die USA im neuen Jahr im Fokus, sind sie doch Gastgeber der 23. Fußball-Weltmeisterschaft, aber nicht allein. Die Spiele verteilen sich über elf Städte, darunter New York, Los Angeles, Dallas und Atlanta. Die WM wird vom 11. Juni bis 19. Juli erstmals in drei Ländern ausgetragen: USA, Mexiko und Kanada. Die Gastgeber hatten sich unter dem Titel „United 2026“ gemeinsam beworben. Das Eröffnungsspiel findet am 11. Juni im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt statt. In den USA startet der Turnierbetrieb einen Tag später in Los Angeles, in Kanada ebenfalls am 12. Juni in Toronto. Insgesamt werden 104 Partien ausgetragen, davon 78 in den USA, 13 in Kanada und 13 in Mexiko. Gespielt wird in 16 Stadien – elf in den USA, drei in Mexiko und zwei in Kanada. Das Finale steigt am 19. Juli im MetLife Stadion in New Jersey, nahe New York City.

Ein weiteres Novum ist die Teilnehmerzahl: Sie steigt von 32 auf 48 Mannschaften. Daraus ergibt sich ein neuer Turniermodus. Die Gruppenaufteilung bringt spannende Duelle: Deutschland spielt in Gruppe E gegen Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador, die Schweiz trifft in Gruppe B auf Gastgeber Kanada, Katar und den Sieger der neu eingeführten UEFA-Playoff-Gruppe A, Österreich kämpft in Gruppe J mit Argentinien, Algerien und Jordanien um die Spitzenposition. 

Und Italien? Italien ist für die WM 2026 noch nicht qualifiziert und muss im kommenden März den Umweg über die Play-offs gehen. Abseits des Spielfelds dürfen sich die Zuschauer auf ein besonderes Highlight freuen: Das WM-Finale wird, wie beim Super Bowl, von einer Halbzeitshow begleitet. Details sind zwar noch geheim, doch wer amerikanische Sportevents kennt, kann ein großes Spektakel erwarten. Die WM 2026 verspricht also nicht nur größer und internationaler zu werden, sondern auch spektakulärer: mehr Teams, mehr Spiele, drei Länder – und ein Finale, das sportlich wie medial alle Blicke auf sich ziehen dürfte.

Donald Trump wird wohl versuchen, die Fußball-WM für seine Zwecke zu missbrauchen. Doch er wird in seiner Heimat mitansehen müssen, wie stark Europa ist, das er schlechtredet und zerstört sehen will: Das letzte WM-Finale ohne europäische Beteiligung fand 1930 statt. Damals nahm fast niemand aus Europa teil, weil die Schiffsreise nach Uruguay zu lange dauerte. Der Sport könnte im kommenden Jahr also eine starke Botschaft senden. Das Silicon Valley des Fußballs liegt in Europa!

XXV. Olympische Winterspiele und wir sind dabei 

In gut einem Monat wird die Sportwelt allerdings ganz auf Italien gerichtet sein. Vom 6. bis 22. Februar finden im Nordosten die 25. Olympischen Winterspiele statt: in Mailand, Livigno und Bormio, in Tesero und Predazzo, in Cortina d’Ampezzo und auch in Antholz. Mailand und Stockholm hatten sich 2019 dafür beworben, das  Internationale Olympische Komitee entschied zugunsten Italiens. Nach Cortina d’Ampezzo 1956 und Turin 2006 werden es die dritten Winterspiele in Italien sein und wir sind dabei!  

Bisher haben sich Athleten von 92 Nationalen Olympischen Komitees für die Spiele qualifiziert. Benin, Guinea-Bissau und die Vereinigten Arabischen Emirate werden voraussichtlich ihr Debüt geben. Die Nationalen Olympischen Komitees von Russland und Belarus sind weiterhin suspendiert. Wie bei den Olympischen Sommerspielen 2024 dürfen einzelne Athleten aus beiden Ländern aber als Individuelle Neutrale Athleten (AIN) an den Winterspielen teilnehmen.

Das Hauptolympiadorf wird in Mailand, auf dem ehemaligen Bahngelände Porta Romana errichtet. Nach den Spielen soll es in einen Wohncampus für Studierende umgewandelt werden, Teil eines groß angelegten Stadtentwicklungsprojekts. Ein zweites Olympiadorf entsteht in Cortina d’Ampezzo, wo 377 Mobile Homes rund 1.400 Athletinnen und Athleten beherbergen werden.

Olympia in Antholz

Für Südtirol wird Olympia erstmals greifbar. Die Biathlon-Bewerbe werden nämlich vom 6. bis 22. Februar in der „Olympic Arena Südtirol/Alto Adige“ in Antholz ausgetragen. Unser Land ist damit ein zentraler Austragungsort für einen der traditionsreichsten Wintersportarten, das Biathlon. Das Stadion in Antholz ist bereits seit fast 50 Jahren Austragungsort für Weltcups und hat sechsmal Weltmeisterschaften beherbergt. Die Kosten für den Umbau und die Modernisierung der Arena für Olympia 2026 haben sich allerdings deutlich erhöht, von ursprünglich geschätzten 28,5 Millionen Euro auf weit über 50 Millionen Euro. Das hat auch für Kritik gesorgt. Relevant ist auch, dass Südtirol bereits 60 olympische Medaillengewinner hervorgebracht hat, 47 davon bei Olympischen Winterspielen.

Das Ende der alten Weltordnung

Man muss kein Experte sein, um vorauszusagen, dass 2026 auf globaler politischer Ebene kein einfaches Jahr wird. Auch das neue Jahr wird von Unsicherheit und Umbrüchen geprägt sein.  Mit Donald Trump, der weiterhin die weltpolitische Bühne dominiert, und den geopolitischen Spannungen, die sich auf der ganzen Welt entfalten, stehen wir aber an einem Wendepunkt. Seit Jahren beobachten Experten nämlich eine schleichende Auflösung der internationalen Ordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Doch 2026 wird der Bruch sichtbarer denn je. Trumps Außenpolitik führt zu einem immer deutlicher werdenden Verlust gemeinsamer Werte und Abkommen. Statt eines neuen Kalten Krieges zwischen den USA und China erwartet man, dass „Koalitionen der Willigen“ neue Handels-, Verteidigungs- und Klimaverträge schließen werden – alles basierend auf kurzfristigen Interessen. Für Europa wird 2026 ein Jahr der Herausforderungen, da populistische Bewegungen immer mehr an Macht gewinnen und auf die Schwächen der alten Weltordnung setzen.

Außenpolitische Analysten sind geteilter Meinung: Befindet sich die Welt in einem neuen Kalten Krieg zwischen den von USA und China angeführten Blöcken, oder wird ein Trump‘scher Deal den Planeten in amerikanische, russische und chinesische Einflusssphären aufteilen, in denen jeder tun kann, was er will?

Wie geht es weiter – in Gaza, in der Ukraine, im Sudan oder  Myanmar? Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Russlands und Chinas Provokationen, insbesondere im Cyberspace und auf den Weltmeeren, stellen die internationalen Beziehungen auf eine harte Probe. Geisterschiffe segeln durch die Meere, russische Drohnen kreisen über europäischen Flughäfen – der Übergang von Krieg zu Frieden wird zunehmend verschwommen. Europa fürchtet nichts so sehr wie eine direkte Konfrontation mit Russland.

Europa steht unter großem Druck

All dies stellt Europa vor eine besondere Herausforderung. Es muss seine Verteidigungsausgaben erhöhen, Amerika auf seiner Seite halten, das Wirtschaftswachstum ankurbeln und mit enormen Defiziten fertig werden, auch wenn Sparmaßnahmen die Gefahr bergen, die Unterstützung für rechtsextreme Parteien zu schüren. Außerdem möchte es weiterhin ein führender Verfechter des Freihandels und der Umweltpolitik bleiben. Das 1,5-Grad-Klimaziel wird kaum noch zu halten sein. Die globalen Emissionen könnten 2026 ihren Höhepunkt erreichen. 

Italien 2026

Italien steht mit Giorgia Meloni international gut da. Der Haushalt umfasst rund 900 Milliarden Euro, wobei der Fokus auf neuen Ausgaben von ca. 22 Milliarden liegt, um die Neuverschuldung unter der 3%-BIP-Grenze zu halten, während Südtirol einen Landeshaushalt von ca. 8,8 Milliarden Euro für 2026 bekommt und damit ein neues Rekordniveau erreicht. Die alternde Gesellschaft hängt aber wie ein Damoklesschwert über uns. Vergessen haben viele schon wieder, dass der 4. Oktober, Tag des Heiligen Franz von Assisi, nach fast 50 Jahren wieder Staatsfeiertag wird, zum Leidwesen von Josefi bei uns.  Im heurigen Jahr fällt der 4. Oktober allerdings auf einen Sonntag.  Das Festival von Sanremo findet für alle Musikfans vom 24. bis 28. Februar statt und der traditionelle Karneval in Venedig beginnt am 31. Januar und dauert bis zum 17. Februar. Das Thema lautet „Olymp, die Ursprünge des Spiels“ und bezieht sich auf die Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina.

Oulu in Finnland und Trenčín in der Slowakei sind die europäischen Kulturhauptstädte von 2026. Während Oulu den Fokus auf den Klimawandel und technologische Innovationen legt, zeigt Trenčín, wie Geschichte und Gemeinschaft als Motoren für positive Veränderungen dienen können. Bulgarien hat mit dem neuen Jahr den Euro erhalten und Ungarn wählt im April ein neues Parlament. Wer weiß, ob Viktor Orban sich behauptet? Im April plant die NASA den Start der bemannten Mission „Artemis 2“ zum Mond. An Bord des Raumschiffs sollen die drei US-Amerikaner Christina Koch, Victor Glover, Reid Wiseman und der kanadische Astronaut Jeremy Hansen sein. „Wir werden Dinge sehen, die kein Mensch je gesehen hat“, sagte Kommandant Reid Wiseman der BBC. Denn das Raumschiff soll über große Bereiche des Mondes fliegen, die während der Apollo-Missionen nie kartiert wurden.  

Totale Sonnenfinsternis gibt es im August: Am 12.08.2026 kann sie im gesamten Norden der westlichen Hemisphäre von der Beringstraße, über Kanada und Grönland bis in den Westen Europas und Afrikas verfolgt werden. Der 70. Eurovision Song Contest wird vom 12. bis zum 16. Mai  in der Stadthalle in Wien stattfinden, nachdem JJ  den Eurovision Song Contest 2025 in Basel gewonnen hat. Es ist nach 1967 und 2015 die dritte Austragung des ESC in Wien.

Zum Schluss ein Fazit: Das neue Jahr könnte schwierig werden.  Damit setzt sich der Trend fort. Warum aber nicht mal die Perspektive wechseln? Was stimmt Sie zuversichtlich?

Josef Prantl