Wie schon die Römer…

Wellness ist das Zauberwort. Wir kennen das von unserer Hotellerie. Besser gesagt, von den Resorts. So sagt man heute. So wie auch die normale Bar jetzt eine Lounge ist. Dann natürlich SPA – nicht die Gesellschaftsform des Betriebes Società per Azioni, nein, Salus per Aquam, eben Gesundheit durch Wasser. Wir Einheimische sind längst zu wenige, als dass wir alle die Millionen Gäste bedienen und verwöhnen könnten. Aus aller Herren Länder sind Bedienstete hier um auszuhelfen. Mit migratorischem Hintergrund sagt man dazu. Sie arbeiten auch vornehmlich im Hintergrund. Aber nicht nur. Und auch wie lange, das wird sich noch zeigen. Spätestens dann, wenn wir selber den Überblick vor lauter Wellness und Spa und Geldzählen verloren haben werden. Dann drängt sich unweigerlich der Gedanke an den Untergang des Römischen Reiches auf. Wie war es doch damals, als die Römer die ganze Welt beherrschten, obwohl sie selber nur einen Bruchteil der kontrollierten Völker ausmachten. Sklaven verrichteten die meiste Arbeit. Die Herren und Damen Römer ließen sich verwöhnen. Bis ins heutige Norddeutschland reichten ihre Spa᾿s, Resorts und Genusstempel. Die Folge Sittenverfall und Kor­ruption. Dekadenz ist, wenn es den Menschen zu gut geht, Kinder eine Belastung sind und man die Arbeit von anderen machen lässt.
David Engels Althistoriker an der Freien Universität Brüssel sieht Parallelen zwischen dem Untergang der Römischen Republik und der EU. „In 20 bis 30 Jahren wird Europa ein autoritärer oder imperialer Staat geworden sein, nach einer Phase bürgerkriegsähnlicher Zustände und Verfalls­er­schei­nungen“, sagt er. „So lassen es jedenfalls die Analogien zwischen der gegenwärtigen Krise Europas und dem Übergang der späten römischen Republik in den Staat des Augustus erwarten.“ Es muss nicht gleich so schwarz gemalt werden. Einen Gedanken an das, was die Geschichte uns gelehrt hat zu verlieren, dürfte jedoch nicht schaden. Oder?

von Walter J. Werth