Ereignis oder Katastrophe?

Naturereignisse, wie andauernder Starkregen und frühzeitiger heftiger Schneefall sind nach den verheerenden Windwürfen in vielen Wäldern im Vorjahr aktuelle Themen der letzten Tage und Wochen gewesen. Bewusst möchte ich dies als Naturereignis bezeichnen und nicht als Naturkatastrophe. Während ein Ereignis sowohl positiv wie negativ sein kann, ist dies bei einer Katastrophe nicht der Fall. Der Begriff Katastrophe ist von Haus aus negativ, jedoch in der Umgangssprache der Bevölkerung gebräuchlich. Bei Stürmen, Überschwemmungen oder Unwetterkatastrophen handelt es sich objektiv um Natur­ereignisse, bei welchen natürliche Prozesse auf die menschliche Umwelt einwirken. Darüber, ob deren Auftretungshäufigkeit und -intensität durch menschliche Handlungsweisen (z. B. Schadstoffausstoß) verändert wird, herrscht Uneinigkeit.
Diesem ersten Verständnis von Naturkatastrophe steht ein zweites entgegen: Gemeint sind dann beispielsweise Tankerunfälle oder Chemieunfälle mit Folgen für die Natur. Hier handelt es sich um das Resultat des Zusammentreffens von Naturgewalten mit vom Menschen geschaffenen Risiken.
Wenn die Folgen einer Naturkatastrophe kritisch betrachtet werden, so zeigt sich, dass die Folgen zu einem bestimmten Teil nicht primär von der Natur verursacht sind, sondern durch menschliches Handeln. Werden Bauten – egal ob Häuser, Straßen oder Schienen – in Zonen erstellt, von denen bekannt ist, dass die Hänge bei großen Niederschlägen rutschgefährdet sind, werden Bäche kanalisiert und Brücken gebaut, welche bei Hochwasser zu Barrieren werden, dann sind Schäden nicht mehr allein durch Naturereignisse, sondern durch bewusste Inkaufnahme oder schlichtes Ignorieren bekannter Tatsachen durch die Menschen bedingt.
Naturereignisse sind immer wieder Fingerzeige einer höheren Macht, dass der Mensch nicht zügellos mit seiner Umwelt umgehen kann. Gelegenheiten, sich ein wenig bescheiden zu geben.

von Walter J. Werth