Hauptsache Geld

Ist uns der Geldbeutel wichtiger als unsere Gesundheit? Nach der repräsentativen Umfrage „Die Ängste der Deutschen“ sorgen sich die Bundesbürger in der Corona-Pandemie in erster Linie um ihren Wohlstand. Beim Thema Ansteckung bleiben sie dagegen eher gelassen. Die größte Sorge aber ist politisch: Sie gilt US-Präsident Donald Trump. Die Umfrage lief in diesem Jahr vom 8. Juni bis zum 21. Juli. 2400 Menschen ab 14 Jahren wurden dafür persönlich befragt. Die Studie gilt Forschern wegen ihres Langzeit-Effekts als Indikator der Befindlichkeiten rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie und Gesundheit.
Momentan haben wohl viele Menschen das Gefühl, dass sie sich durch das Einhalten der„ AHA“-Regeln vor Corona schützen und dass auch die Regierung so weit alles im Griff hat.
Es dominiert jedoch die Angst um die Wirtschaft. Darüber hinaus rechnet knapp jeder zweite Befragte mit Kosten für die Steuerzahler durch die neue EU-Schuldenkrise und eine schlechtere Wirtschaftslage. Die Sorge vor einer eigenen schweren Corona-Erkrankung rangiert dagegen mit 32 Prozent weit abgeschlagen auf dem 18. Platz von 20 abgefragten Ängsten. Nach diesen Erkenntnissen haben die Menschen deutlich mehr Angst davor, dass das Virus ihren Wohlstand bedroht als ihre Gesundheit.
Frauen zeigen sich in der Ängste-Umfrage traditionell kritischer und sorgenvoller als Männer. Sie halten Donald Trump für gefährlicher, fürchten steigende Ausgaben für den Lebensunterhalt mehr und haben häufiger Angst vor Pflegebedürftigkeit.
Auch wenn die Ergebnisse dieser Umfrage nicht unmittelbar auf uns Südtiroler zutreffen mögen, so geben sie uns doch zu denken. Wenn unsere Politiker und die Verantwortlichen der Wirtschaftsverbände ernsthaft überlegen wie man die einzelnen Gegenden Südtirols als ungefährlich für geldbringende Touristen anbieten könnte, ist dies wohl Beweis, dass auch bei uns Geld vor Gesundheit geht.

von Walter J. Werth