Lauter Widersprüche

So langsam versteh‘ ich die Welt nicht mehr. Vor allem versteh‘ ich nicht, dass sich so viele von den gelehrten Wirtschaftswissenschaftlern derartig täuschen können. Zu Beginn der Corona-Pandemie wurden uns noch Szenarien vorgezeichnet, die nach Firmenpleiten, hohen Arbeitslosenraten und dergleichen mehr klangen. Jetzt liefern uns die Statistiker genau gegenteilige Zahlen. Die Wirtschaft boomt – manchmal liest man auch „brummt“ – und die Unternehmer stöhnen unter dem Mangel an Arbeitskräften. Dazu kommen noch Lieferengpässe. Niemand weiß genau warum. Was die Konsumenten jedoch wissen ist die Tatsache, dass sehr vieles teurer geworden ist. Und warum speziell der Strom, der bei uns ja hausgemacht in genügender Menge vorhanden wäre, plötzlich enorm gestiegen ist, kann, oder besser will uns niemand verraten.
Neuerdings hören wir auch von unseren Kellereien, dass es bald Lieferengpässe geben könnte, die Keller sind leer. Vor kurzem noch wurden Ersatzlager gesucht, die Bauern durften nur wenig Maische liefern. So schnell kann sich das Blatt wenden?!
Eigenartig ist auch die Forderung des Unternehmerverbandes, dass ein sogenanntes Vorzeigeunternehmen unbedingt ein riesiges Gelände auf der grünen Wiese benötigt, weil wir damit Arbeitsplätze schaffen können. Arbeitsplätze, für die es keine Arbeiter gibt. Zumindest nicht in unserem Land. Und überhaupt: es wird gefordert. Einfach gefordert und jemand soll gefälligst liefern. Wie kann es sein, dass dauernd von Nachhaltigkeit geredet wird, sogar ein Megaevent mit astronomischen Kosten ist zu diesem Thema geplant, und dabei sollen wieder große Flächen mit Industriebauten versiegelt werden. Wie wäre es denn mit der Nutzung bestehender Areale, wie etwa Kasernen an vielen Orten, oder teuer entseuchtes Firmengelände in Sinich? …aber St. Bürokratius lässt sich anscheinend nicht erweichen.

Walter J. Werth