Was kommt noch?

Sie ist zwar immer noch präsent, flaut aber gottseidank ab, die Corona-Plage. Immer noch gilt es, die empfohlenen Schutzmaßnahmen einzuhalten. Trotz allem müssen wir feststellen, dass eine gewisse Laxheit um sich greift. Es werden wieder munter Hände geschüttelt, man steckt die Köpfe zusammen und das zwei-drei-malige Bussi-Bussi-Getue flammt wieder auf. Zwei Jahre lang wurden wir von den Medien fast nur mit Corona-Nachrichten gefüttert. Mit Bildern von Intensivstatio­nen, mit Euro-Scheinen spuckenden Druckmaschinen, mit Statistiken und Inzidenzen ohne Grenzen. Jetzt scheinen wir vom Regen in die Traufe geraten zu sein. Ein Übel ersetzt ein hoffentlich nicht noch größeres. Es war bezeichnenderweise der 24. Februar, Unsinniger Donnerstag, als der russische Machthaber die Ukraine mit Waffengewalt vor der „drohenden Nazifizierung“ – so seine Erklärung für die militärische Aggression – zu schützen begann. Jetzt werden uns von den Me­dien Soldaten, Panzer, zerstörte Häuser, weinende Frauen und flüchtende Menschen gezeigt. Schlimme Bilder, die betroffen machen, aber auch wütend, weil wir machtlos zusehen müssen. Ja, wir können helfen, wir können Spenden. Viele tun sich aber schwer, die ganze Sache zu verstehen. Geht es hier wieder einmal nur ums liebe Geld. Und wenn Geld genug ist, dann geht es um Macht, wovon anscheinend niemand genug bekommen kann. Welch paradoxer Zustand ist es doch, wenn die EU des Wirtschaftswachstums wegen uneins ist beim Stopp der Energielieferung des Kriegstreibers und gleichzeitig Kriegsmaterial an die Ukraine liefert. Wie bei Corona ist auch hier die ganze Welt betroffen. Auch hier trifft es wie fast immer die Schwächsten und Armsten am meisten. Die Reichen werden auch hier ihre super Geschäfte machen. Das lässt uns unser hauseigenes Abhörprotokoll-Skandälchen leicht vergessen. Wir haben alle mal Geschichte gelernt, aber wie man sieht, nichts daraus gelernt.

Walter J. Werth