Dank Globalisierung?

Der Begriff Globalisierung ist wohl schon in den 1960er-Jahren entstanden. Globalisierung bezeichnet den Vorgang, dass weltweite Verflechtungen in vielen Bereichen (Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt, Kommunikation) zunehmen, und zwar zwischen Menschen, Gesellschaften, Institutionen und Staaten. Nun stellt sich die Frage: sind wir mit der weltweiten Vernetzung zu weit gegangen? Der Ausbruch der Corona-Seuche deutet darauf hin und zeigt uns, dass es eine Schieflage zwischen wirtschaftlicher und politischer Globalisierung gibt.
Noch bevor das Corona-Virus globale Lieferketten unterbrochen hat, das Schließen von Grenzen bewirkte, Busse und Züge stoppte und Misstrauen gegen Fremde mit chinesischem Aussehen weckte, gab es starke Zweifel am System einer globalisierten Welt. Allen voran war es US-Präsident Donald Trump, der gegen die Globalisierung vorging. Mit Strafzöllen hat er eine jahrzehntelange Öffnung und Vernetzung der Weltwirtschaft unterbrochen. Wenn wir dies medizinisch betrachten, dann gehört die Globalisierung wohl zu der am meisten gefährdeten Risikogruppe der neuen Seuche, denn sie war schon vor deren Ausbruch arg geschwächt.
Wer geglaubt hat, die globale wirtschaftliche Vernetzung ließe sich nicht mehr rückgängig machen, wurde eines besseren belehrt. Innerhalb weniger Tage wurden ganze Fabriken geschlossen, Lieferungen ausgesetzt und ganze Wirtschaftsräume unter Quarantäne gestellt. Eine Lösung wirtschaftlicher Vernetzung ist demnach möglich und mancherorts schon praktiziert. China, wo mehr als die halbe Welt produzieren lässt, ist von einem Moment zum anderen zu einem Risikoland geworden. Tausende westliche Firmen sind dort derzeit in Beschaffung, Produktion und Absatz stark eingeschränkt.
„Es gibt auf der Welt keine unüberwindlichen Grenzen mehr,“ schreibt der italienische Soziologe Ilvo Diamanti. Pandemien lassen sich, wie der Klimawandel, nur gemeinsam und global bekämpfen.

von Walter J. Werth