Daheim in der Arbeit

Die Corona-Krise hat unsere Arbeitswelt ziemlich verändert. Mit Home Office und auch Kurzarbeit. Einige Beschäftigte fürchten zudem um die eigene Existenz. Speziell Kurzarbeiter, Arbeitslose und Eltern. Viele sehen im Home Office Vorteile, die der Betrieb auch nach der Krise nutzen sollte. Vor allem Frauen schätzen die Heimarbeit, denn Home Office kann die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. Diese längst gestellte Forderung an die Arbeitswelt scheint nun von Arbeitgebern weitgehend akzeptiert zu werden. Aber hat es dazu wirklich diese schlimme Pandemie gebraucht?

Menschen, die auch in der Zeit des sogenannten „Lockdowns“ an ihrem regulären Arbeitsplatz tätig waren, im Gesundheitswesen, Lebensmittelhandel und im öffentlichen Verkehr, waren und sind besonderen Herausforderungen ausgesetzt. Sie können sich weniger gut vor Ansteckungen schützen als andere. Sie alle verdienen daher unseren größten Dank und Anerkennung.

Wenn wir in Südtirol wieder einmal glauben, die besten zu sein und daher früher mit Lockerungen beginnen zu müssen, so dürfen wir um Himmels willen nicht überheblich werden. Noch ist nicht alles klar. Zu oft sehe ich unbekümmert schutzlos sich treffende Grüppchen. Leute, die Atemschutzmasken wohl nur als Verzierung im Gesicht hängen haben, anstatt sich und andere zu schützen. Abstände die nur Zentimeter anstatt Meter betragen. So darf es nicht sein. Das Virus kennt nur Menschen, es unterscheidet nicht zwischen dem besonderen Südtiroler und den Rest der Welt. Wenn wir lauthals die Politik gedrängt haben, schneller zu öffnen, dann müssen wir auch dazu stehen und keine Eigentore schießen. Nützen wir die besonderen Umstände um uns auf vielfach verloren gegangen Werte zu besinnen. Die Zeit hat sich jetzt „entschleunigt“. Dies ist zumindest etwas Positives. Getreu dem altbekannten Sprichwort: „Selten ein Schaden, wo nicht auch ein Nutzen ist“.

von Walter J. Werth