Eine frohe Weihnacht

So langsam geht sie dem Ende zu, die Adventzeit. Und wenn die sogenannte stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch wieder ruhiger. Dieser ach so treffend-ironische Satz stammt von Karl Valentin.
Im 7. Jahrhundert legte Papst Gregor der Große die Adventzeit mit 4 Sonntagen in unserem Kalender fest. Jeder Sonntag stand für 1000 Jahre, und 4000 Jahre musste nach dieser symbolischen Zeitrechnung die Menschheit nach dem Sündenfall von Adam und Eva auf den Erlöser warten. Und noch immer erinnert sich die Christenheit zu Weihnachten an die Geburt Christi, und noch immer ist der Advent diese Zeit der Erwartung.
Wie uns aus Erzählungen bekannt ist, sollen diese paar Wochen einst die stillste Zeit im Jahr gewesen sein. Heute ist sie zur schrillsten Zeit des ganzen Jahres geworden. Menschen hasten durch die Straßen – beladen mit Paketen und ihren großen Problemen, bedrückt von den kleinen Beschwerlichkeiten des Alltags. Das christliche Weihnachtsfest ist ein klassisches Beispiel für die Umkehr der Werte und für die Sinnkrise in unserer Gesellschaft geworden. An die Stelle der Erlösung sind die Erlöse getreten. Trotzdem fühlen sich viele Menschen am Heiligen Abend erlöst. Aber nur vom Weihnachtsstress. Das Fest der Liebe und damit auch des Schenkens droht fortgeschwemmt zu werden. Die Menschlichkeit läuft Gefahr, unter die Räder von Wirtschaftswachstum und Profitgier zu kommen. stWir alle begegnen täglich Menschen, die eine Geste der Anerkennung oder Anteilnahme brauchen könnten. Und kennen wir nicht auch jemanden, dem sie wirklich gut täte? Weil er krank ist, weil er einen ihm nahe stehenden Menschen verloren hat, weil er einsam ist, weil ihn schwere Sorgen plagen, weil er sich fremd oder ausgegrenzt fühlt? Wer auf der Sonnenseite steht, der kann andere mitnehmen. Wer am Rande steht, der sollte nicht bitten müssen, um mitgenommen zu werden. Auch er soll Weihnachten spüren dürfen. So wie ich es Ihnen wünsche!

von Walter J. Werth