An Europa weiterbauen

Die Europa-Wahlen sind Geschichte. Der Ausgang dürfte für alle Parteien zufriedenstellend gewesen sein. Interessanterweise gibt es bei Wahlen selten Verlierer. Und wenn, dann finden Politiker in der Regel stets irgendeinen Vergleich, laut dem sie eigentlich doch gewonnen haben. Vergleiche hinken bekanntlich immer. Nicht wegleugnen oder beschönigen lassen sich die Herausforderungen unserer Zeit, wie Klimawandel, Feinstaub, verstopfte Innenstädte. Diese machen nicht an Landesgrenzen Halt. Wir haben einen europäischen Binnenmarkt für Schokolade, Wein und Autos, für „alles und jedes“, nicht aber für digitale Waren und digitale Dienstleistungen. Nur als ein „Vereintes Europa“ können wir den amerikanischen und chinesischen Technologie-Giganten kraftvolle Konzepte entgegensetzen und den Wirtschaftsstandort Europa stärken und vorantreiben. Schließlich ist die Europäische Gemeinschaft einst auch ins Leben gerufen worden, um die Industrie in Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland auf Augenhöhe mit den weltweit führenden Wirtschaftsnationen zu halten. Das muss auch im sogenannten „4.0-Zeitalter“ gelten.
Deshalb ist es gesamtgesellschaftlich für uns in allen Nationalstaaten Europas von entscheidender Bedeutung, dass wir unsere Kompetenzen in den Hochtechnologie-Bereichen erweitern und uns nicht auf bestehenden Errungenschaften ausruhen, sondern in neuen innovativen Geschäftsmodellen führend werden.Die Europawahl war eine besondere, weil es gerade in Zeiten, in denen Protektionismus, Abschottung und Angst vor dem Fremden propagiert wird, wichtiger denn je ist, aktiv zu werden. Für ein zukunftsfähiges Europa mit einer starken Wirtschaft und einer freien und vielfältigen Gesellschaft. Ein Lichtblick ist schon mal die gestiegene Wahlbeteiligung am 26. Mai. Also scheinen die Menschen doch wieder Interesse an der Gemeinschaft zu haben. Sehen wir daher mit Zuversicht in die Zukunft!

von Walter J. Werth