

llegale Müllentsorgung in Meran: Über 1.900 dokumentierte Verstöße und hunderte Identifizierungen.
Seit Jahren wird in Meran immer wieder der Vorwurf laut, im Kampf gegen die illegale Müllentsorgung werde zu wenig kontrolliert und noch weniger gestraft. Die nun vorgestellten Zahlen der Stadtregierung Meran zeichnen jedoch ein deutlich anderes Bild – eines, das von systematischem Vorgehen, moderner Technik und konsequenter Ahndung geprägt ist.
Im Rahmen einer Pressekonferenz legte Bürgermeisterin Katharina Zeller die ersten Ergebnisse des neuen mobilen Videoüberwachungssystems vor. Dieses ist an zehn ausgewählten Wertstoffinseln im Gemeindegebiet im Einsatz und wurde als Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets eingeführt, das die Stadt gemeinsam mit den Stadtwerken und der Kurverwaltung umgesetzt hat. Ziel war es, die bestehenden Reinigungsdienste effizienter zu organisieren und insbesondere gegen die zunehmende Vermüllung im öffentlichen Raum wirksamer vorzugehen. Die Bilanz der ausgewerteten Monate (Oktober 2025 bis Januar 2026) ist beachtlich: Insgesamt wurden 1.937 Fälle illegaler Müllablagerung festgestellt. Allein in einem Monat summierten sich die dokumentierten Verstöße auf 598. In 580 Fällen konnte die Ortspolizei die verantwortlichen Personen bereits eindeutig identifizieren, weitere Überprüfungen laufen. Die eingeleiteten Verwaltungsverfahren sollen sicherstellen, dass auch die noch offenen Fälle konsequent abgeschlossen werden. Angesichts dieser Zahlen erscheint die oft geäußerte Kritik, es werde nicht ausreichend kontrolliert, kaum haltbar. Wie Ortspolizei-Kommandant Alessandro De Paoli erläuterte, erlaubt das neue System eine detaillierte Dokumentation von Verstößen. Mehrere Kameraperspektiven erfassen den Vorfall, relevante Bildausschnitte – etwa Fahrzeugkennzeichen – werden automatisch extrahiert und samt Videomaterial an die zuständigen Stellen übermittelt. Dadurch konnten die Identifizierungsquoten deutlich gesteigert und Verfahren effizienter abgewickelt werden. Die Auswertung zeigt zudem, dass es sich bei der illegalen Müllentsorgung nicht um das Fehlverhalten weniger Einzelner handelt. Vielmehr betrifft das Problem unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Umweltstadträtin Antonella Costanzo sprach von einem Phänomen mit klarer gesellschaftlicher Dimension. Gerade deshalb setze man neben Sanktionen auch auf Bewusstseinsbildung. Wer Bioabfälle korrekt entsorgt, leiste nicht nur einen Beitrag zur Sauberkeit, sondern auch zur Eindämmung der Rattenpopulation – ein Aspekt, der sich unmittelbar auf Hygiene und Lebensqualität auswirkt.
Parallel zur technischen Überwachung bleibt auch die personelle Kontrolle ein zentraler Bestandteil der Strategie. Die sogenannten Waste Watchers sind weiterhin an sechs Tagen pro Woche im Stadtgebiet unterwegs und überprüfen die ordnungsgemäße Nutzung der Wertstoffinseln. Der von den Stadtwerken koordinierte Dienst ergänzt die digitalen Instrumente durch sichtbare Präsenz vor Ort und schafft damit einen kombinierten Ansatz aus Prävention und Ahndung.
Die präsentierten Ergebnisse machen deutlich: In Meran wird nicht weggesehen. Es wird kontrolliert, dokumentiert und sanktioniert. Zugleich setzt die Stadt auf die Eigenverantwortung ihrer Bürgerinnen und Bürger. Denn so wichtig Kontrollen und Strafen sind, dauerhaft verbessern lässt sich das Stadtbild nur dann, wenn möglichst viele ihren Beitrag leisten und Abfälle korrekt entsorgen.
Thomas Kobler